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Die erste Woche danach: Energieräuber im Führungsalltag

Für meinen letzten Future-Being Termin mit Frederik Pferdt Für meinen letzten Future-Being-Termin mit Frederik Pferdt, Autor von „Radikal besser", war die Terrasse geplant.


Das Wetter wollte es anders, also saß ich im Schlafzimmer statt im Büro. Festlich gekleidet, ein Glas gekühlter italienischer Rotwein neben dem Notizbuch, eine Muschel vom Roten Meer in Reichweite.


Ein ungewohnter Rahmen für ein Arbeitsgespräch. Genau das war die Absicht.

Meine Klarheit lag höher als in jeder Session davor.

Derselbe Kopf, dieselbe Fragestellung, ein anderer Ort. Plötzlich sortierte sich, was am Schreibtisch monatelang gleich ausgesehen hatte.


Denselben Effekt bringen zwei Wochen Urlaub mit.

Der Abstand legt frei, welche Energieräuber im Führungsalltag Platz belegen und welcher Aufwand tatsächlich erforderlich ist.



Was Abstand mit dem Blick macht


Im ersten Einzeltermin schilderte ich Frederik meinen Akquise-Prozess. Ich war überzeugt, dass ich effizient arbeitete.

Effizient war ich. Die Herausforderung lag woanders: Ich hatte das Falsche optimiert.. Die Herausforderung war, dass ich das Falsche optimiert hatte.


Er hörte aufmerksam zu. Dann fragte er, was ich für einen Anruf tatsächlich brauche.


Die Antwort:

einen Namen und eine Frage, die etwas beim Gesprächspartner verändert.


Aus dieser einen Frage wurde eine andere Art zu denken und aus dieser anderen Art zu denken folgte alles andere:

  • die Website wurde einfacher

  • aus vier Produkten wurde ein modulares Produkt

  • die Zielgruppe wurde enger

  • ich suche mir meine Kunden seither selbst aus


Bemerkenswert daran ist die Richtung der Erkenntnis. Sie kam von außen, in einem Moment, in dem ich mit meinem eigenen Vorgehen zufrieden war.

Von innen betrachtet wirkte jeder Schritt begründet.


Der Erholungseffekt hält länger, als die Forschung lange annahm.

Eine Metaanalyse aus 32 Studien in neun Ländern unter Leitung des Psychologen Ryan Grant zeigt: Urlaub steigert das Wohlbefinden erheblich, und der Effekt verblasst nach der Rückkehr schwächer als bisher vermutet (Psychologie Heute, 2026).


Der zweite Befund derselben Analyse trifft die Geschäftsführung direkter.

Nach längeren Ferien fällt die Rückkehr härter aus.


Zwei Wochen bringen den größten Gewinn und die schärfste Landung.


Der Arbeitspsychologe Hannes Zacher rät deshalb zur Vorbereitung statt zur Improvisation.


Aufgaben werden rechtzeitig delegiert, die Vertretung klar geregelt, die eigene Erreichbarkeit eindeutig kommuniziert. Und der erste Arbeitstag liegt am besten auf einem Mittwoch (2026).


In meinen Sparrings höre ich im August regelmäßig denselben Satz:

Es lief alles gut, und nach drei Tagen war ich wieder mittendrin. Die Erholung war da. Der Kalender hat sie aufgebraucht, bevor eine einzige Entscheidung daraus entstanden ist.


Die Energie steht also bereit.

Ihr Ertrag entscheidet sich an der Architektur der ersten Woche.




Dichtes Raster öffnet sich, drei herausgelöste Felder als Bild für
Energieräuber im Führungsalltag und freie Kapazität
Was aus der Struktur herausgenommen wird, schafft Raum. | Bild: KI-generiert


Drei Tage mit dem Blick von außen


Nach zwei Wochen Abstand sehen Sie Ihren eigenen Betrieb für kurze Zeit so, wie ihn ein Externer sieht. Dieses Fenster steht wenige Tage offen. Danach schließt der Alltag dieses Fenster wieder.


In dieser Zeit erkennen Sie präzise, welcher Aufwand Wirkung erzeugt.

Die Terminserie, die seit 2019 läuft.

Die Freigabeschleife für jede Beschaffung über einer bestimmten Summe.

Der Bericht, den zwei Personen erstellen und niemand liest.


Jede dieser Routinen hatte einmal einen guten Grund. Der Grund ist in vielen Fällen längst erledigt, die Routine läuft weiter.


Genau hier liegt der Hebel. Eine Woche mit Abstand ersetzt ein Audit, für das andere ein Honorar zahlen.


Die Wirksamkeits-Prüfung stellt dabei eine einzige Frage an jede Aktivität:

Verändert sie die Lage des Unternehmens in die gewünschte Richtung?


Wer diese Frage in den ersten Tagen stellt, gewinnt Kapazität für den Rest des Jahres. Wer sie vier Wochen später stellt, findet dieselben Routinen mit denselben Begründungen vor.


Die gewonnene Zeit landet erfahrungsgemäß dort, wo sie am meisten wert ist: bei der Arbeit am Unternehmen.

Preisgespräche, Nachfolgefragen, die zweite Führungsebene, ein Investitionsentscheid. Diese Themen verlangen Ruhe und volle Aufmerksamkeit.

Und die Wirkung reicht über Ihren Kalender hinaus. Sobald Sie eine Terminserie beenden, gewinnt jede teilnehmende Führungskraft dieselbe Stunde zurück. Ein einziger Strich multipliziert sich durch die Zahl der Anwesenden.



Drei Sofort-Maßnahmen gegen Energieräuber im Führungsalltag


1. Die erste Woche als Entscheidungswoche

Ein Rückkehrtag am Mittwoch hält die erste Woche kurz und den Druck niedrig. Die größte Entscheidung liegt ab Tag drei, wenn der Überblick steht. Dazwischen bleiben zwei geschützte Fenster für Arbeit an der Lage statt an der Post.


Die ersten beiden Tage gehören dem Ankommen:

Updates einsammeln, kurze Gespräche führen, den Stand der laufenden Projekte prüfen.

Erstgespräche und Verhandlungen starten ab Tag drei. Diese Reihenfolge ist kostenlos und schützt die Qualität jeder Entscheidung dieser Woche.


Sofort-Maßnahme:

Zwei Termine mit sich selbst eintragen, je 45 Minuten, Titel „Entscheidung".



2. Die Energieräuber-Liste in den ersten drei Tagen

Schreiben Sie drei Routinen auf, die Ihnen in vierzehn Tagen völlig gleichgültig geblieben sind. Jede Zeile bekommt eine von drei Entscheidungen.

Beenden streicht ersatzlos. Übergeben nennt einen Namen und ein Datum. Takten setzt einen festen Rhythmus an die Stelle spontaner Zurufe.


Der Widerstand kommt zuverlässig beim Streichen. Er lässt sich mit einer Frist auflösen: Die Routine pausiert für sechs Wochen. Meldet sich in dieser Zeit jemand, kehrt sie zurück; sonst bleibt sie beendet.


Sofort-Maßnahme:

Drei Zeilen ins Notizbuch, drei Entscheidungen daneben, noch vor dem ersten Führungskreis. Und zwar an einem anderen Ort als dem eigenen Schreibtisch.


3. Die Umkehrfrage im ersten Führungskreis

Nach dem Urlaub startet jede Runde mit derselben Frage: Was geht schief.

Stellen Sie die Gegenfrage gleich dazu: Was gelingt, wenn es gelingt, und was kostet ein weiteres Quartal Stillstand. Beide Antworten werden protokolliert.


Damit wird Zuversicht zu einer Rechengröße. Ihre Führungskräfte erleben, dass Chancen denselben Rang bekommen wie Risiken, und bringen im nächsten Durchgang eigene Vorschläge mit.


Sofort-Maßnahme:

Beide Fragen als feste Kopfzeile der Agenda hinterlegen.


Die Übung für fünf Minuten: 

Nehmen Sie Ihren Kalender der Vorwoche vor dem Urlaub. Markieren Sie jeden Termin, der Ihre Lage verändert hat. Was ohne Markierung bleibt, ist Ihr Material für die Liste aus Schritt zwei.



Wer den Urlaub noch vor sich hat, entscheidet jetzt


Der Ertrag der zwei Wochen wird vor der Abreise festgelegt. Vier Wochen vorher ist der Kalender noch formbar, in der letzten Woche davor gewinnt das Tagesgeschäft.

Drei Festlegungen genügen.

  • Der Rückkehrtag steht auf einem Mittwoch.

  • Die Vertretung trägt einen Namen und eine schriftliche Entscheidungsgrenze in Euro.

  • Die Erreichbarkeit wird als Regel formuliert, etwa ein Zeitfenster an zwei festgelegten Tagen.


Dazu kommen drei Fragen, die mitreisen.

Was nehme ich mit. Was bleibt zurück. Was probiere ich aus.


Die Fragen werden einmal gestellt und dann in Ruhe gelassen. Der Kopf sortiert das Erlebte ohnehin weiter, während Sie tauchen, wandern oder lesen.


Ein tägliches Reflexionsprogramm arbeitet dagegen:

Es hält die Arbeit im Kopf und schwächt genau das Abschalten, das den Effekt trägt.



Dimension X: Ihre eigene Linse


Frederik Pferdt beschreibt sechs Dimensionen einer zukunftsfähigen Haltung. Die sechste nennt er Dimension X: die eigene Stärke, die bereits durch einen wirkt, mit der Aufgabe, sie zu erkennen und zu verstärken (Future Playbook, 2026).


Der Satz enthält eine Zumutung. Die Fähigkeit ist längst vorhanden. Was fehlt, ist der Ort, an dem sie sichtbar wird.


In vier Wochen tauche ich zwei Wochen im Roten Meer, zehn Stunden täglich am Boot. Meine Linse entsteht dort: beobachten in Stille, in einem Tempo, das genaues Hinsehen erzwingt.


Für Sie liegt sie woanders. Auf dem Mountainbike, am Steuer eines Segelboots, im Konzert am Donnerstagabend.

Der Wert entsteht in der Übertragung: Was Sie dort mühelos tun, steht Ihnen auch in der Führung zur Verfügung.


Dimension X ist damit ein Übertragungsauftrag statt eines Persönlichkeitstests. Die Frage lautet: Welche Fähigkeit zeigen Sie außerhalb der Arbeit in Bestform, und an welcher Stelle Ihrer Führungsarbeit fehlt genau diese Fähigkeit heute.


Drei Fragen bringen die Linse mit an den Schreibtisch.

Was nehme ich mit. Was bleibt zurück. Was probiere ich aus, mit Starttermin in der ersten Woche.


Der Ort zählt mit. Für die Antwort auf diese drei Fragen genügt ein Sessel, ein Balkon, ein Kaffeehaus. Der Schreibtisch liefert die Gedanken des Schreibtischs.


Eine einmalige Aufräumwoche bringt Kapazität für ein Quartal. Ein fester Rhythmus bringt sie dauerhaft. Wie aus einzelnen Ritualen ein Führungskalender über fünf Ebenen wird, steht im nächsten Beitrag.



Die Frage, die Ihre erste Woche entscheidet


Wenn Sie an Ihre letzten vierzehn Tage Abwesenheit denken:


  • Welche drei Termine sind Ihnen in dieser Zeit völlig gleichgültig geblieben?

  • Wie viele davon stehen heute wieder in Ihrem Kalender?

  • Was hat Sie diese Wiederkehr an Kapazität gekostet?



Ihr nächster Schritt


Wenn Sie diese Frage beschäftigt: Im Zukunfts-Impuls schauen wir gemeinsam hin, in 30 Minuten, ohne Agenda, ohne Verpflichtung. Schreiben Sie mir direkt an office@paur-erfolgsstrom-coaching.online.



© 2026 Gertrude Paur · Erfolgsstrom, Krems an der Donau. Dieser Beitrag ist ein strategischer Impuls und ersetzt keine individuelle Beratung. Nachdruck oder Weiterverwendung nur mit schriftlicher Zustimmung. Bilder: KI-generiert.

 
 
 

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